Lesenswert, WM 2010 Ein Erfahrungsbericht aus Südafrika
"Bafana, Bafana!"
Anlässlich meines diesjährigen Trips nach Kapstadt, Südafrika konnte und wollte ich mir ein Bild machen vom Status quo knapp zwei Jahre vor der WM. “Bafana, Bafana”, wie die Nationalelf genannt wird (Afrikaans, eine der elf Amtssprachen des Landes, für “Boys, Boys”), ist in dem rugbyverwöhnten Land (Weltmeister 2007) teilweise nur noch zum Randthema geworden. Dies liegt schlicht und einfach an der großen Diskrepanz zum Rugby. Interessanterweise gilt im Moment im Land die Meinung, man solle den Spitznamen ändern, er klinge zu lieb. Vielleicht würde das weiterhelfen, so die Südafrikaner.
Denn das, was momentan auf dem Platz gezeigt wird macht den Südafrikanern bezüglich der WM 2010 Angst und Bange. Im Afrika-Cup 2008 kläglich in der Vorrunde gescheitert (zwei Punkte aus drei Spielen, Gruppenletzter) feierte die Presse einen 2:1 Sieg über Zimbabwe, das – nicht abwertend gemeint – nicht gerade zu den Spitzenteams Afrikas zählt. In der Partie wurden fast ausschließlich Spieler aus der südafrikanischen Liga eingesetzt und es zeigte sich: Die “Stars”, die schnell von der Presse zu solchen gemacht werden, dürften es schwer haben, die “Boys, Boys” erfolgreich bei der WM im eigenem Land zu vertreten. Die Premier Soccer League ist – an europäischen Verhältnissen gemessen – schlicht und ergreifend zu schwach.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Hoffnungen macht man sich deshalb eher wegen der Europa-Legionäre, allen voran Benny McCarthy, der sich in Blackburn durchgesetzt hat und aktuell sicherlich der beste Südafrikaner ist. Zudem hofft man auf Steven Pienaar, der nach seinem erfolglosen Intermezzo bei Borussia Dortmund nun allmählich beim FC Everton wieder zu alter Form findet. Weiterhin gelten Aaron Mokoena (Blackburn), sowie die Bielefelder Nkosi, Zuma und Fernandez als Hoffnungsträger. Gewissermaßen ist die sportliche Situation vergleichbar mit der der Österreicher: Gerade vor dem eigenen großen Turnier scheint man mit die schwächste Elf zu haben, was sehr schade ist. Der Fußball in Südafrika ist, gerade für den farbigen Teil der Bevölkerung, immer noch das Spiel: Spieltage werden zu Feiertagen, gerade dann wenn es zum Klassiker Kaizer Chefs gegen Orlando Pirates (beide Johannesburg) geht. Zur Zeit trennen diese Abo-Meister aber Welten (Pirates Tabellenplatz drei, Chiefs neun). Überraschend vorne steht Ajax Cape Town, der Partnerverein von Ajax Amsterdam, vom dem auch Steven Pienaar damals nach Holland wechselte. Erfreulich hingegen ist der Status Quo der WM-Vorbereitungen: Die Bauarbeiten laufen in vollen Zügen, gerade Kapstadt wächst und wächst, das Stadion ist zu knapp sechzig Prozent fertiggestellt. Für Ärger sorgte der Bau der neuen Arenen trotzdem, schließlich waren viele Rugby-Stadien top im Schuss, wie zum Beispiel das gerade neu gebaute “Newlands” in Kapstadt.
Nicht das einzige Problem…
Problematisch dürften daher vor allem zwei Aspekte sein: Der Erste wäre die Sicherheitslage im Lande: Die Südafrikaner hatten vor kurzem die Rugby-Nationalelf aus Argentinien zu Gast – mitsamt ihrer stimmig singenden Fans. Diese schüchterten die Polizei ein, es war schlicht ungewohnt für sie, da die Südafrikaner, wie viele andere Nationen Afrikas, eher Musik auf den Rängen machen als “Chants” anzustimmen. Hier wäre eine Schulung, vor allem in richtigen Konfliktsituationen, dringend notwendig, die aber sicherlich noch stattfinden wird. Der zweite Aspekt ist der Zeitraum der Weltmeisterschaft, den man fast schon als Vorteil für die Europäer auslegen kann: Während der WM herrscht in Südafrika Winter, was bedeutet: maximal 15 Grad, viel Regen, viel Wind. Davor herrscht auch eine gewisse Angst, dass selbst die Wetterumstände den “Boys” nicht helfen können. Aber wie sagt man doch so schön: Man wächst an Herausforderungen und vielleicht sind aus den südafrikanischen “Boys, Boys” nach der Weltmeisterschaft schon “Men, Men” geworden.
Dieser Artikel wurde am 29. März 2008 von Daniel Jedamzik für das Projekt “flankengeber 1.0″ verfasst.

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